• Sarah Cevallos

Selfcare is NOT selfish - warum es in Ordnung ist, ,,faul" zu sein

,,Du bist faul!"

Sowas oder so etwas ähnlich hört man doch immer, wenn man sich mal eine Auszeit gönnt.

,,Die Zeit könntest du auch produktiv nutzen"

,,Du verdienst es nicht jetzt eine Pause einzulegen. Sooo stressig ist dein Alltag doch gar nicht."

Solche Sätze finden sich häufig in dem Gedankenkarussell wieder, dass sich vor allem während der Pausen immer wieder abspielt. Und im Endeffekt plagt einen das schlechte Gewissen, da man die Zeit ja nicht ,,produktiv" genutzt hat oder nach eigener Einschätzung gar nicht genug gemacht bzw. der Alltag ja gar nicht so stressig ist, wie bei anderen.


Vorab:


Stress ist immer subjektiv

Stress ist subjektiv und somit auch sehr individuell. Einigen macht es nichts aus einen Vollzeitjob, einen Nebenjob und auch noch Familie zu haben. Andere geraten vielleicht bei einem Teilzeitjob schon an ihre Grenzen.

Dies liegt vor allem an zwei Dingen: wie wir den Stress wahrnehmen und wie wir gelernt haben damit umzugehen. Auch genetische Faktoren fließen in die Deutung, Verarbeitung und den Umgang mit Stress ein. Genetische Faktoren sind nunmal nicht zu beeinflussen und müssen akzeptiert werden.


Was allerdings jeder beeinflussen kann, ist die sogenannte Resilienz. Die psychische Widerstandskraft. Unsere Art und Weise mit Stress und Belastungen des Lebens umzugehen.

Die eigene Resilienz lässt sich durch verschiedene Methoden stärken. Eine davon ist die Selbstfürsorge.

Leider wird in unserer Gesellschaft das Thema Selbstfürsorge mit Egoismus und Faulheit gleichgesetzt. Wie schon erwähnt, werden Menschen, die ,,für sich selbst sorgen", indem sie Pausen in den Alltag einbauen, sich mal etwas gönnen, wovon andere nicht profitieren oder einfach mal das machen, worauf sie gerade Lust haben, als egoistisch angesehen.


In meinem Praxisalltag treffe ich auch immer wieder auf Menschen, die meinen, sie wären ihrem Partner etwas schuldig und könnten sich deswegen nach Feierabend nicht einfach mal aufs Sofa legen und ihre Lieblingsserie schauen. Ihre Partner hingegen hätten wohl das Recht dazu. Nur sie selbst dürften das nicht.

Spätestens beim Lesen sollte jetzt deutlich werden, dass dies völlig widersprüchlich ist. Warum darf einer ,,sein Ding" machen und der andere nicht?

Häufig sieht man dieses Phänomen auch bei Müttern, die in Elternzeit zu Hause bleiben und der Partner arbeiten geht. Sie fühlen sich schuldig und faul, obwohl sie doch auch zu Hause einen Vollzeitjob erledigen. Die Kindererziehung und der Haushalt machen sich nicht von allein, weswegen es absolut in Ordnung ist, sich auch hier Pausen zu gönnen.


Von Müttern (gerade mit kleinen Kindern) hört man auch oft, dass sie schlichtweg keine Zeit hätten, Zeit für sich selbst einzuplanen. Sie sind völlig mit dem Kind/ den Kindern beschäftigt und auch die anderen Familienmitglieder dürfen nicht zu kurz kommen. Das ist wohl häufig wahr, allerdings sind kleine Auszeiten oft genügend. Es müssen nicht 1-2 Stunden sein, die man sich freiräumt, sondern es können auch 10 Minuten sein, in denen man einfach mal innehält, sich vielleicht sein Lieblingsbesuch zur Hand nimmt oder achtsam das schöne Wetter draußen genießt. Wichtig ist es vor allem, diese 10 Minuten regelmäßig in unseren Alltag einzuplanen.

Der Me-Time-Sonntag mag vielleicht schön sein und ist immerhin besser als gar nichts, aber letztendlich sind wir spätestens am Dienstag oder Mittwoch wieder genauso gestresst wie vorher und können unseren Stresslevel erst wieder am Sonntag senken (insofern wir die Zeit dafür finden und uns diese nicht rauben lassen, weil wir es doch wieder irgendwem Recht machen wollen).


Wenn wir uns nicht um uns selbst kümmern, haben wir irgendwann nichts mehr zu geben.

Nachdem wir es dann auch noch dem letzten Recht gemacht haben, unsere Zeit bis aufs höchste optimiert haben -natürlich ohne Pausen- und jeden Tag völlig ausgelaugt ins Bett fallen, dauert es meist nicht mehr lange, bis sich erste Anzeichen einer Erschöpfung (eines Burnouts) zeigen.

Man ist regelrecht ,,ausgebrannt". Unruhe, Kreislaufbeschwerden, Müdigkeit, Magen-Darmbeschwerden, Verspannung, Gereiztheit. Mit all diesen Symptomen zwingt uns unser Körper dann eine Pause einzulegen. Spätestens jetzt wird klar:

Selbstfürsorge ist keineswegs egoistisch, sondern ein wichtiges und natürlich Bedürfnis.





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