• Sarah Cevallos

Ich bin es mir (nicht) wert. - Glaubenssätze, die uns beschränken

Bereits im letzten Blogbeitrag ging es um das Thema Glaubenssätze, ihre Bedeutung und ihre Macht über unsere Gedanken.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Klienten mit negativen Glaubenssätzen zu schaffen haben und durch diese in ihrem Potenzial beschränkt werden.

Dieses beschränkte Potenzial kann sich sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext zeigen. Sie hindern uns gar daran, erfolgreich zu sein.

Statt erfolgreich zu sein, versuchen viele (v.a. harmoniebedürftige) Personen lieber es den anderen recht zu machen; ganz nach dem Motto: Wenn du glücklich bist, bin ich es auch. Man macht sich für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der anderen Menschen verantwortlich. Psychische Probleme sind hier geradezu vorprogrammiert.


,,Ich bin nicht gut genug."
,,Ich verdiene es nicht anders."
,,Ich muss bescheiden sein."
,,Ich darf keine Schwäche zeigen." / ,,Ich muss stark sein."

Dies sind nur einige von vielen limitierenden, negativen Glaubenssätzen, denen ich in meinem Alltag als Psychologische Beraterin begegne.

Wie bereits im letzten Blogbeitrag erklärt, werden wir von solchen negativen Überzeugungen gesteuert.

Übernommen von unseren Eltern und frühen Bezugspersonen verankern sich diese Überzeugungen tief im Unterbewusstsein. Sie integrieren sich in den Alltag und werden von den meisten erst viel zu spät entdeckt. Wir sind uns der beschränkenden Wirkung schlichtweg nicht bewusst, obwohl sie uns tagtäglich begleitet und eine bestimmende Rolle spielt. Oft stellt sich im Laufe des Lebens ein Unbehagen ein, das nicht selten zu enormem Leidensdruck und Depressionen führen kann.


Was kann man nun dagegen tun?


Zunächst müssen wir uns den negativen Glaubenssätzen bewusst werden.

Gedanken beobachten, Sprichwörter und Listen mit Beispielsätzen kommen hier gern zum Einsatz.

Oft wissen wir auf rationaler Ebene bereits, dass diese Glaubenssätze schlichtweg falsch sind und nicht stimmen. Die Erkenntnis reicht demnach nicht aus, um eine Änderung hervorzurufen.

Wir müssen unsere Glaubenssätze verstehen und anerkennen. Erst dann können wir diese in positive Glaubenssätze umformulieren. Wichtig dabei ist es auch zu verstehen, wie sich diese Glaubenssätze (aus der Kindheit heraus) gebildet haben. Wir lernen schon sehr früh uns anzupassen; unerwünschtes Verhalten wird bestraft und erwünschtes belohnt.

Wer außerdem in seiner Kindheit in seiner mit Sätzen wie

,,Ach komm, ich helfe dir; du schaffst das nicht alleine."

in seiner Autonomie beschränkt worden ist, wird häufig auch noch im Erwachsenenalter von Selbstzweifeln geplagt.


Irgendwann kommt man dann zu der Erkenntnis ,,So bin ich halt!" - Das Ego ist geboren.

Ein Konzept von uns selbst; mit all seinen Beschränkungen.


Achtung: Unsere Eltern und frühen Bezugspersonen sollen hiermit weder verurteilt noch angegriffen werden. Auch sie werden/ wurden durch eigene Glaubenssätze und Überzeugungen beeinflusst. Vielmehr geht es darum, Selbstverantwortung zu übernehmen und aus dem Ohnmachtsgefühl herauszukommen.

,,Weil ... mich so erzogen hat/ sich so verhalten hat, kann ich nicht ... "

Wir wollen nicht nach einem Schuldigen suchen sondern uns von negativen Gedanken und Verhaltensmustern befreien.


Zu unterschätzen ist dieser ganze Prozess nicht; was sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg verankert hat, kann nicht von heute auf morgen (und auch nicht auf übermorgen) gelöst werden.

Gerade noch voller Motivation die Sitzung verlassen, lösen sich die guten Vorsätze und Umstrukturierungen nämlich nach kurzer Zeit wieder in Luft auf, wenn man nicht konsequent an ihnen arbeitet. Unser Gehirn fühlt sich sicher und ausgeglichen, wenn es nach Mustern arbeitet und lässt sich nur ungern aus der Ruhe bringen.

Es zwingt uns sozusagen dazu, unsere alten (sicheren) und damit negativen Verhaltensmuster beizubehalten, weswegen es so schwierig ist, diese nachhaltig zu verändern. Ein wahrer psychischer Kraftakt also.


Nichtsdestotrotz ist diese kognitive Umstrukturierung durchaus möglich.

Ganz interessant ist es auch, dass dies bis ins hohe Alter möglich ist. Aufgrund der Neuroplastizität kann sich unser Gehirn immer weiterentwickeln und somit auch verändern, weshalb es nie zu spät ist Initiative zu ergreifen, wenn man sich aufgrund limitierender Überzeugungen belastet fühlt.


Nach der bewussten Umformulierung der Sätze müssen wir also schnellstmöglich ins Handeln kommen. Wir müssen Dinge wirklich tun.

Ich gebe meinen Klienten hier gern das Beispiel eines Trainingsplans; nur vom Anschauen bauen sich die Muskeln auch nicht auf. Genauso ist es auch bei unserem Gehirn.


Übung macht den Meister und viele kleine Schritte führen hier zum Ziel.

Nachhaltig.

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